Ein Schritt, der nicht nur kontrovers ist, sondern auch Apple’s Engagement zum Schutz der Privatsphäre in Frage stellt. Denn wie nun bekannt geworden ist, beginnt Apple ab heute iCloud Konten chinesischer Kunden auf Server der chinesischen Regierung abzulegen. Als wäre das nicht Zündstoff genug, liefert Apple auch die zugehörigen Schlüssel dazu. Was das für den Schutz der Privatsphäre chinesischer iPhone Besitzer bedeutet sowie Apple’s Reputation als Wahrer persönlicher Daten lässt sich nur schwer abschätzen. Positiv wird es dem Konzern gewiss nicht ausgelegt.

Wer in China Geschäfte machen will, der muss sich chinesischen Regeln beugen. Das haben schon viele europäische oder US-amerikanische Unternehmen am eigenen Leib erfahren, insbesondere Autohersteller. Für eine kostengünstige Produktion in China verlangt das Land entsprechendes Know-how als Gegenleistung. Warum man diesen Tausch überhaupt mitmacht? Weil China der größte aufstrebende Markt mit einer gigantischen Käuferschaft ist. Man kann dort also nicht nur für den globalen Markt günstig produzieren, China ist auch Absatzmarkt für ebenjene Produkte. Seit vielen Jahren mischt auch Apple in China kräftig mit. Der eigentlich mit zahlreichen Smartphones verwöhnte Markt aber verlangt das iPhone von Apple. Und so muss sich der Konzern aus dem sonnigen Kalifornien durch schwierige Geschäftsbeziehungen auf der anderen Seite des Pazifik lavieren.

Unser Land, unsere Regeln – iCloud Daten mitsamt Zugangsschlüssel auf chinesischen Servern

Im aktuellen Fall geht es um den schon diesen Januar beschlossenen Umzug von chinesischen iCloud Konten auf Server des Landes. Als wäre dies nicht besorgniserregend genug, liefert Apple auch die zugehörigen Zugangsschlüssel mit ab. Sprich, chinesische Behörden können ohne Aufwand den gesamten Datenverkehr von und zu Apple Geräten in China mitlesen. Dass Menschenrechtsaktivisten auf die Barrikaden versteht sich von selbst. Amnesty International etwa spricht von “einer repressiven Rechtslage, die es Apple erschwerte seine Verpflichtungen zur Privatsphäre und Sicherheit der Nutzer aufrecht zu halten.” In der Gemengelage zwischen Datenschutz und Profitabilität scheint ersteres stets zu unterlegen.

Bisher mussten chinesische Behörden, wollten sie an Daten von chinesischen Apple Usern herankommen, sich stets an US-Datenschutzgesetze und internationale Rechtsverfahren halten. Mit dem Umzug der Daten ins eigene Land aber entfällt dieser Schritt. Und dass die Datenschutzrichtlinien im Reich der Mitte nicht ganz im Sinne des einzelnen Bürgers ausfällt, dürfte hinreichend bekannt sein. Die Lagerung der iCloud Daten geht auf Guizhou-Cloud Big Data (GCBD) über, das wiederum der Provinzregierung von Guizhou unterstellt ist. Bis nach Peking und einem noch ausgereifteren Überwachungsstaat ist es also nicht weit. Die Regierung wiederum spricht davon, dass mit dem Schritt die heimische Kriminalität und Terrorismus effektiv bekämpfen werden soll.

Einfach weitermachen – Apple’s Antwort und die Reaktionen der Nutzer

Auslöser des Ganzen ist ein Gesetz vom vergangenen Juni, das allen Unternehmen vorschreibt die im Land erhobenen Daten auch im Land zu speichern. So befolgen andere Konzerne wie Amazon oder Microsoft das Gesetz bereits, womit Apple nicht alleine dasteht. Der Konzern selbst hat sich laut Eigenaussage Mühe gegeben die iCloud von diesem Gesetz auszunehmen. Man stand vor der Wahl sich dem Gesetz zu beugen oder aber die iCloud für chinesische Kunden ganz abzuschalten. Dass diese Wahl nicht getroffen wurde lag daran, dass man chinesischen Apple Besitzern keine “schlechte Nutzererfahrung” aufhalsen wollte. Die wiederum scheinen unbeeindruckt von den anstehenden Änderungen. Laut Apple sprachen sich 99,9 % aller chinesischen iCloud Nutzer dafür aus den Dienst weiter zu nutzen. Eine Prozentzahl, die man sonst nur von autoritären Regimen kennt.

Quelle: money.cnn.com Bild: cultofmac.com